Der Schüleraustausch mit dem Collège Croussol in der französischen Partnerstadt Saint Péray hat schon seit Jahren einen festen Platz im Lehrplan des Max-Planck-Gymnasiums. Nun soll auch mit der Schule „Desiderio da Settignano“ in Dicomano, der künftigen italienischen Partnerstadt, eine ähnliche Projektbegegnung ins Leben gerufen werden. Um die Gegebenheiten vor Ort und mögliche Ansprechpartner kennenzulernen, starteten Studienrätin Valeria Eck und Fachbereichsleiter Franz Zoth zu einem informellen Besuch in die Toscana. Arno Benker, der bereits durch seine ehrenamtliche Tätigkeit im Verschwisterungskomitee der Stadt Groß-Umstadt im vergangenen Jahr erste Kontakte in Dicomano geknüpft hat, begleitete die beiden Lehrkräfte zu dem Antrittsbesuch im Rahmen des Schüleraustausches. „Wir dachten, wir müssten uns um alle wichtigen Personen und Informationen selbst kümmern“, sagten die beiden Lehrkräfte und staunten nicht schlecht, als ihnen nach der Ankunft ein detailliertes Programm für ihren Aufenthalt ausgehändigt wurde - ganz abgesehen von den Dutzend Vertretern der kommunalen Abteilungen, die zur Begrüßung der Gäste aus Groß-Umstadt vor dem „Palazzo Comunale“, dem Rathaus im Zentrum der Stadt, erschienen sind. Unkompliziert, freundlich, ja freundschaftlich, als wäre man schon oft zu Gast gewesen, entwickelten sich die Gespräche in alle möglichen Richtungen. Informativ, eindrucksvoll und erlebnisreich waren alle von Stadträtin Laura Barlotti arrangierten Begegnungen und Besichtigungen. Die „Zeitreise“ ins mittelalterliche Dicomano übernahm Don Remo Collini, ein pensionierter Gemeindepfarrer, die Exkursion zur archäologischen Ausgrabungsstätte San Martino und deren wertvollen Funden etruskischer Siedlungsgeschichte im Stadtmuseum Paolo Pasciolla. Beide Experten verliehen ihren Worten wundersame Flügel, so dass man sich gerne eine Fortsetzung gewünscht hätte. In der näheren Umgebung wurde die Landwirtschaftliche Kooperative „Il Forteto“ mit ihrem gelungen Geschäfts- und Freizeitkonzept vorgestellt. Der Betriebsleiter Stefano Pezzati Laura präsentierte im Rahmen eines Betriebsrundgangs verschiedene Produktlinien des bekannten „Pecorino“, einer regionalen Käsespezialität aus Kuh- oder Schafsmilch, selbstverständlich war die Verkostung mit dem ebenfalls einheimischen kulinarischen Rotwein „Chianti Rufina“ inbegriffen. Ein Ausflug in den malerischen Landschaftspark „Rualia“ nahe Florenz stellte am Nachmittag eine weitere Attraktion dar. Äußerst schwierig war es, einen geeigneten Parkplatz zu finden, denn mehrere Zehntausend Gäste hatten sich ebenfalls vorgenommen, einen Sonntagsspaziergang durch den weiträumigen Lunda Park der ehemals einflussreichen Adelsfamilie der Medici zu unternehmen. Händler jedweder Couleur - die Antiquitäten oder Zierstauden feilboten, Zuchtbullen oder Agrartechnik - fanden hier ein ideales Ausstellungsambiente und boten den Besuchern eine prächtige Mischung aus Kultur und Kommerz. Die günstige Zugverbindung - Fahrzeit knapp eine Stunde - lieferte auch eine komfortable Möglichkeit Florenz, der Hauptstadt der Provinz einen Besuch abzustatten und die berühmten Sehenswürdigkeiten - Dom, Ponte Vecchio, Uffizien - in Augenschein zu nehmen. Die Gespräche mit der Direktorin der Schule, Adelina Giglio, verliefen in ebenso freundschaftlicher Atmosphäre wie die mit Bürgermeisterin Ida Ciucchi, die sich ebenfalls einen halben Tag Zeit für die Gäste nahm. Obwohl Deutsch einen ähnlich nachgeordneten Stellenwert im Fremdsprachenangebot der einheimischen Schule genießt wie Italienisch im Max-Planck-Gymnasium, war man sich einig, diesem Zustand mit dem Austausch ein Ende zu bereiten. Nach dem ersten Besuch, der für die erste Oktoberwoche vorgesehen ist, wolle man sehen, ob man ein Ergänzungsangebot für interessiert Schüler machen könne. Deutlich erkennbar aber war, dass nicht nur von offizieller Seite der Delegation Beachtung geschenkt wurde, sondern sich auch viele Mitglieder des Lehrerkollegiums Zeit nahmen und die Gäste gerne beim Rundgang begleiteten, die besondere Ausstattung der Schule zeigten oder die Tür der Klassenzimmer öffneten.
Für Schulleiterin Dr. Margarete Sauer ist der beabsichtigte Schüleraustausch ein Schritt in die richtige Richtung. Im Zeitalter der Globalisierung müsse die Schule Kernkompetenzen stärken und Schüler zu Mobilität, Flexibilität und interkulturellem Lernen befähigen. Das neue Angebot füge sich bestens in das Förder- und Qualifizierungskonzept der Schule ein. Mithin könnten Schüler mit Latein als zweiter Fremdsprache im Wahlunterricht Italienisch lernen und damit eine zusätzliche Befähigung erlangen. Dass die Max-Planck-Schule sich schon seit Jahren dem europäischen Gedanken verschrieben hat, belegen auch die jährlichen Studienfahrten nach North East Derbyshire und Danzig oder mehrjährige Comenius-Projekte, die von der EU-Kommission mit dem Prädikat „sehr gut“ prämiert wurden. Für den Schüleraustausch im Herbst haben sich 16 Schüler angemeldet. Schon jetzt steht fest, dass ihr Aufenthalt an Gastfreundschaft nichts vermissen lassen wird.
Franz Zoth