Theaterakteure der Max-Planck-Schule begeistern das Publikum

Das Publikum wünscht sich ein Wiedersehen – und nicht erst, um es mit Brecht zu sagen,  „Am Sankt  Nimmerleinstag“

 

Am Donnerstag, 27. Mai 2010, begeisterten die Theaterakteure der Max-Planck-Schule das Publikum in der mehr als voll besetzten Aula mit Darbietungen, die das breite Spektrum ihrer Arbeit widerspiegelten. Zu verdanken hat die Schule diese lustigen, spannenden, literarisch anspruchsvollen Aufführungen neben den überzeugend spielenden Schülerinnen und Schülern natürlich den „Drahtzieherinnen“ hinter der Bühne: Studienrätin Nicole Kühn, verantwortlich für den Wahlunterricht „Theater“ im Jahrgang 6, Studienrätin Nicole Bickel und Studienrätin Minou Hammann für das Darstellende Spiel in der Jahrgangsstufe 11 und Frau Bickel als Leiterin des Grundkurses Darstellendes Spiel in der Jahrgangsstufe 12.

Den Anfang des Theaterabends gestalteten die Schülerinnen und Schüler des 6. Jahrgangs, die sich die Frage gestellt hatten, was man denn auf der Bühne mit Stühlen anstellen könnte. So entstand die originelle Idee für das Stück „Banküberfall“. Begeisterter Applaus belohnte die jungen Darsteller, die nun für die 11. Klässler Platz machten. Thema in dieser Jahrgangsstufe ist das Theater und seine Zeichensysteme. Die Schülerinnen und Schüler erlernen Grundlagen und Methoden der schauspielerischen Arbeit. Nachdem die Kolleginnen Kühn, Bickel und Hammann dem Publikum eine kurze Einführung gegeben hatten, führte anschließend die Schülerin Carolin Handschuh durch den Abend.

Dieser sollte sich märchenhaft fortsetzen. Dem Prinzen (Jan Spehr) ist nicht sein Aschenputtel (Patricia Köppen) gegönnt, die bösen Schwestern (Lara Runkel und Lisa Kessler) engagieren das Rumpelstilzchen (Bastian Fehrensen), um deren Liebe auseinander zu bringen. Doch haben sie weder mit dem Joker (Jonathan Jarek) noch mit den Zwergen gerechnet (Tarek Bakkar, Alexander Gabriel, Patrick Lange, Sascha Willmann), vier oder sieben, je nachdem, wie man eben zählt, die in ihrer Paradedisziplin, dem Tanzen, unschlagbar sind und so auch das Rumpelstilzchen bezwingen: „Ich kann’s nicht mehr seh’n, ich werd’ zugrunde geh’n.“ So endet auch dieses Märchen nach temperamentvollen Tanzeinlagen mit der Hochzeit zwischen dem Prinzen und seinem Aschenputtel. Erwähnenswert ist der dramaturgische Kniff, die bösen Schwestern und deren Mutter, die Königin, (Luca Hohner) den Gang kehren zu lassen: Die Bösen müssen büßen und zugleich kann es nach begeistertem Applaus unmittelbar mit der nächsten Darbietung weitergehen.

Aus der Welt der Märchen in die harte Welt der Einschaltquoten und Reality Shows: Dr. Cox (Johannes Seippel und Florian Huber) plaudert auf Stern TV (unter der Moderation von Fabienne Giese) aus seinem Leben und auf diese Weise wird die Geschichte um Oedipus, hier Oedipus Rex, gespielt von Jeremy Epah,  lebendig. In einer Quiz-Show wird er, einst von seinen Eltern (Ann-Kathrin Dyroff und Maraike Schmitz) zur Adoption freigegeben, zum König von Theben gekürt, muss sich jedoch vor Gericht für den begangenen Vatermord verantworten. Sensationell, wie Dr. Cox und Oedipus das Publikum mitfiebern lassen.

Nach der wohlverdienten Pause folgte die Inszenierung des Grundkurses 12 von „Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertolt Brecht. Dieses Theaterstück entstand in den Jahren 1938-40 und wurde 1943 in Zürich uraufgeführt. In der Hauptrolle überzeugt Julia Hucke als gute Shen Te, die jedoch immer mehr in Bedrängnis gerät, nachdem die Götter (Christian Vogel, Eva Wilhelms, Cathrin Wegner) ihr 1000 Silberdollar für ihre selbstlose Tat, diese unentgeltlich aufzunehmen,  schenken. Der berechnende Vetter Shui Ta, gespielt von Christian Wildner, muss immer mehr in das Leben der Shen Te eingreifen, sodass deutlich wird, wie Geld den Einzelnen und die Gesellschaft verändert. Doch erfolgt diese „Belehrung“ keineswegs mit erhobenem Zeigefinger. Insbesondere die Auftritte der Hausbesitzerin Mi Tzü, dargestellt von Meryem Güven und Carolin Handschuh, sorgen für heitere Momente, auch das alte Ehepaar, Jonas Rodriguez und Sabrina Träder, sorgt bei aller Ernsthaftigkeit des Themas für Lacher. Erwähnenswert sind ebenso Stefan Weber als Sun, der Flieger, Lisa Drews und Gabriela Bielec als Wasserverkäufer Wang, Marius Henseler als Shu Fu, der Barbier, Erika Weiss als Frau Yang, Carolin Hansch und Derya Tanriverdi als Shin, Yanick Ballensiefen, Pascal Wengerter und Anne Lachnit als Schmarotzer, Eva Wilhelms als Schreiner und Christian Vogel als Polizist. Alle Akteure tragen gemeinsamen zu dem beeindruckenden Erfolg der Aufführung bei, die, ganz im Brecht’schen Sinne, keine Lösung anbietet, sondern das Publikum zum Nachdenken auffordert. „Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“  Nachdenken werden die Zuschauer, und zwar nicht nur über die Problematik unseres kapitalistischen Gesellschaftssystems, sondern auch über die außergewöhnlichen Leistungen, die die Schülerinnen und Schüler der Max-Planck-Schule an diesem Abend einem hoch zufriedenen Publikum boten.

Birgit Hartmann-Thierolf