„Ich selbst hatte den Eindruck, dass diese Truppe viel mehr gemeinschaftlich aktiv war und sie hat sich auch dementsprechend dargestellt“, sagt Peter Ach beim traditionellen Empfang der Schülergruppe aus Saint Péray im Gruberhof. Wie viele Mitglieder des Verschwisterungskomitees ist er der Aufforderung des Stammtisch-Sprechers der französischen Abteilung Arno Benker gefolgt und kümmert sich um die attraktive Bewirtung der knapp hundert Gäste. Die jungen Leute haben offenbar einen guten Appetit mitgebracht . „Manche waren sicher dreimal bei mir und haben sich eine Bratwurst geholt“, bemerkt der Grillmeister stolz, der zusammen mit Rainer Fiedl für Nachschub sorgt.
Für die Gäste aus der französischen Partnerstadt steht der Empfang hoch im Kurs. „Es hat sich bei uns herumgesprochen, dass es den Schülern im Gruberhof sehr gut gefällt, sie drinnen bleiben oder nach draußen gehen können, es viel Abwechslung gibt und die Bratwurst ‚lecker’ schmeckt. Für uns ist der Gruberhof ein Muss“, erklärt die Deutschlehrerin der französischen Schüler, Claudette Fréchet. Unterstützt wird sie diesmal von der Englischlehrerin Anne Colombel und dem Geschichts- und Erdkundelehrer Christian Descaillot. Gegen den Landestrend erfreut sich die deutsche Sprache am Collège du Crussol steigender Beliebtheit, was die Gruppenstärke eindrucksvoll belegt. In diesem Jahr sind 34 Schülerinnen und Schüler mitgekommen. Bereits bei ihrer Ankunft wurden sie von der Schulleiterin Dr. Margarete Sauer begrüßt, am ersten Schultag dann im Rathaus von Bürgermeister Joachim Ruppert und Mitgliedern der Städteverschwisterung empfangen. Beide lobten die positive Entwicklung des Schüleraustauschs und der Jugendbegegnungen in den vergangenen Jahren, die breite Akzeptanz in der Elternschaft und den Lehrerkollegien. Auch diesmal konnten alle Schüler in Gastfamilien untergebracht werden. „Die Zuordnung findet über Steckbriefe statt“, erläutert Studienrätin Delia Gottschalk, die an der Max-Planck-Schule für den deutsch-französischen Schüleraustausch zuständig ist und fügt hinzu, dass dies nicht wegen der starken Beteiligung bisweilen kompliziert sei, sondern weil sich auf deutscher Seite mehr Mädchen als Jungen für die Teilnahme an der Austauschfahrt interessieren. In Saint Péray sei dies umgekehrt. Unter dem Motto „Natur erleben, gestalten und genießen“ absolvierten die Gäste gemeinsam mit ihren deutschen Partnern ein Programm, zu dem die Teilnahme am Regelunterricht zählt, besonders aber die Arbeit in themenbezogenen „Ateliers“ und Exkursionen. Ein originelles Projekt, das über das spielerische Kennenlernen hinausreicht, entstand im Rahmen des Kunstunterrichts unter Leitung von Studienrätin Annette Bogner. Die unterschiedlichsten Verpackungsmaterialien, die üblicherweise als „Abfall“ in der Blauen Tonne oder im Gelben Sack landen, hatten Schüler gesammelt und in Kleingruppen zu Modeaccessoires verwandelt. Ob ausrangierte Joghurtbecher oder Eierkartons, ob Kunststoffchips oder Strohhalme - die Präsentation der Entwürfe entwickelte sich zu einer der „angesagtesten“ Shows avantgardistischer Designermode. Auch die Choreografie der Darbietung mit dem Titel „Chapeaux - Kopfgeschichten“ beeindruckte sehr und löste zu Recht überschwängliche Begeisterung aus. Sympathischen Zuspruch fand auch das Projekt „Natur auf der Spur“ am Rödelshäuschen, das Förster Willi Schäfer zusammen mit einem Team Jugendlicher der OWK-Ortsgruppe Gr.-Umstadt unter Leitung von Alexander Mohr organisierte. Dass die Stationen des Erlebnispfads nicht nur von Einzelpersonen angenommen, sondern von vielen Gruppen gerne als Fitness-Parcours aufgesucht werden, zeigte der Aufmarsch zahlreicher Schulklassen und Kindertagesstätten an diesem Tag. Amelie Höhnl und Dennis Terek gaben an den Erlebnisstationen kurze Erläuterungen, denn Begriffe wie „Barfußpfad“ oder „Baumtelefon“ sind den Gästen aus Frankreich im Alter von 13 oder 14 Jahren nicht unbedingt geläufig. Einen Einblick über die Geisteshaltung, die mit dem Begriff „Rheinromantik“ in die Kunstgeschichte eingegangen ist, wurde mit einem Tagesausflug in den Rheingau gewonnen, wobei ein Spaziergang durch Rüdesheim nicht fehlen durfte. Unterirdisch weiter ging es dann in Oppenheim mit einer Führung durch das „Kellerlabyrinth“. Andere Ausflugsziele waren der UNESCO Geo-Naturpark Felsenmeer, der in Form einer Rallye mit Suchaufgaben erkundet wurde und Darmstadt mit einem geführten Rundgang auf der Mathildenhöhe zum Thema „Jugendstil“. Der Gegenbesuch ist für die letzte Septemberwoche vorgesehen. Damit er auch im Herbst reibungslos verlaufen kann, hat die Max-Planck-Schule zur Vorbereitung ein spezielles Wahlangebot eingerichtet. Zeitgleich wird dann erstmals eine Schülergruppe nach Dicomano reisen, um auch mit der italienischen Schule einen Schüleraustausch aufzubauen. „Damit möchten wir“, betont Dr. Margarete Sauer, „den Schülern Rechnung tragen, die Latein als zweite Fremdsprache lernen und im Wahlunterricht dann mit Italienisch beginnen.“
Franz Zoth